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Vor ein paar Jahren hätte man es sich kaum vorstellen können: Vollbeschäftigung auf dem flachen Land. Die immer noch gute wirtschaftliche Lage macht den Unternehmen zu schaffen. Sie suchen mehr oder weniger händeringend nach Fachkräften. Michael Dahme gibt im Interview Auskunft über die Situation bei den Hirschvogel-Werken in Denklingen und Schongau. Wie stellt sich der Fachkräftemangel bei Hirschvogel dar? „Derzeit ist es wirklich schwierig, Facharbeiter und Spezialisten mit bestimmten Fachkenntnissen anzuwerben. Wir bei Hirschvogel haben das Gefühl, dass nur wenige der Spezialisten, die wir in unseren Unternehmen in Denklingen und Schongau brauchen, einen neuen Arbeitsplatz suchen. Die geringe Arbeitslosenquote im Raum Landsberg und Schongau ist nur ein Zeichen dafür, dass gute Mitarbeiter heiß begehrt sind. Die Hirschvogel Komponenten GmbH in Schongau ist von dem Mangel in noch größerem Maß betroffen, da hier das Wachstum nicht mit selbst ausgebildeten Mitarbeitern abgedeckt werden kann. Dagegen haben wir keine Schwierigkeiten, Ingenieurnachwuchs zu bekommen, da Hirschvogel bei Ingenieuren ein sehr beliebter Arbeitgeber ist. Allerdings sehe ich hier Probleme in der Zukunft, weil zu wenige Studenten technische Studiengänge belegen. Ähnlich sieht es bei den Azubis aus: Auf einen Ausbildungsplatz kommen derzeit mehrere hundert Bewerber, da wir einen sehr guten Ruf als Ausbildungsbetrieb genießen. Doch auch hier wird die demografische Entwicklung, das heißt die kleiner werdende Zahl an Jugendlichen, ihre Spuren hinterlassen.“ Welche Berufe sind bei Hirschvogel gefragt und an welchen Standorten? „Bei der Hirschvogel Komponenten GmbH in Schongau suchen wir vor allem Zerspanungsmechaniker. Sowohl in Denklingen als auch in Schongau stellen wir Qualitätsfachleute, Ingenieure, Meister und Techniker ein, letztere insbesondere mit Erfahrung, zum Beispiel im Zerspanungsbereich.“ Was unternimmt man bei Hirschvogel, um neue Mitarbeiter zu gewinnen? „Für unsere Azubis haben wir gerade ein nach modernsten Gesichtspunkten gestaltetes Ausbildungszentrum eröffnet. Doch bereits im Vorfeld unterstützen wir zahlreiche lokale Aktionen zur besseren Vorbereitung und Qualifizierung von Jugendlichen, um deren Ausbildungsfähigkeit und soziale Kompetenzen zu verbessern. Hierzu gehören beispielsweise die Aktivitäten von „Schule und Werte“ in Landsberg und „MyWay“ in Schongau. Darüber hinaus nehmen wir an unzähligen Hochschul- und Ausbildungsmessen teil und arbeiten eng mit Professoren und Lehrern zusammen. Im Unternehmen finden immer wieder Veranstaltungen für Berufsanfänger, Studenten, Meister, Techniker und Interessenten statt. Wir vergeben Praktika und Diplomarbeiten an FH-Studenten, und zuletzt haben wir den Bachelor-Studiengang Wirtschaft & Technik in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erding und zwei weiteren Firmen aus der Region aus der Taufe gehoben.“ Und wie werden die Mitarbeiter im Unternehmen gehalten? „Zum einen durch ein sehr gutes, kollegiales Betriebsklima. Zum anderen profitieren alle Mitarbeiter bei Hirschvogel von unserem umfangreichen Weiterbildungsangebot und der Unterstützung bei der Weiterbildung, sei es in Form von Zeit oder Geld. Die Personalentwicklung stellt einen wesentlichen, strategischen Bestandteil unserer permanenten Unternehmensentwicklung dar. Gezielte Entwicklungs-, Qualifizierungs- und Fördermaßnahmen unterstützen jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter, Kompetenzen laufend zu erweitern. Zudem kann jeder, der bei uns einen Ausbildungsplatz hat, sich eines Arbeitsplatzes so gut wie sicher sein. Die Aufstiegschancen bei Hirschvogel sind durch die verschiedenen Werke im In- und Ausland besonders hoch. Nicht zuletzt erhalten Hirschvogel-Mitarbeiter natürlich eine marktgerechte Entlohnung sowie übertarifliche Sozialleistungen.“ Wie lange wird der Fachkräftemangel noch ein Problem für die Wirtschaft sein? „Bei einem weiteren Wirtschaftswachstum in Deutschland, aber auch bei einem Nullwachstum, stehen wir auf Grund des demografischen Wandels erst am Anfang des Problems. Um dem zu begegnen wird man zusätzliche und neue Maßnahmen ergreifen müssen, um langfristig den Bedarf an Arbeitskräften decken zu können. Hierzu gehört für mich beispielsweise eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsumfangs. Zusätzlich muss darüber nachgedacht werden, wie zusätzliche Arbeitnehmer-Gruppen weiter erschlossen werden können. Ich denke hier an Frauen mit Kindern, denen eine bessere Betreuung zur Verfügung stehen sollte, oder auch Migranten, die besser integriert werden müssen. Zu den Mitteln, mit denen der Mitarbeiterbedarf auch in Zukunft gedeckt werden kann, gehört meines Erachtens auch ein weiterer Ausbau der Berufsausbildung (auch hin zu geringerer Einstiegsqualifikation), ein Ausbau der Fort- und Weiterbildungsangebote, der Personal- und Führungskräfteentwicklung und des Studienangebots sowie beispielsweise die Option der Inhouse-Promotion für Doktoranden. Speziell bei den technischen Berufen wird es aber auch noch wichtiger werden, frühzeitig Kontakt mit den Schulen aufzunehmen, um diese Ausbildungsgänge breiter bekannt zu machen und schon die Kinder für Technik und damit für entsprechende Berufe zu begeistern.“ Zahlen: Die Zahl der Azubis bei Hirschvogel stieg von 2005 bis 2008 von 98 auf 105. Geplant sind für die Zukunft ca. 120 Ausbildungsplätze. Der Weiterbildungskatalog des Unternehmens umfasst 360 unterschiedliche Themen. Fast alle Mitarbeiter nehmen mindestens einmal im Jahr an einer Schulung teil. Rund 3 % der Hirschvogel-Mitarbeiter sind Akademiker. Bildunterschrift: Im neuen Ausbildungszentrum, das Hirschvogel für drei Millionen Euro errichtet hat, besprechen sich Michael Dahme, Ausbildungsleiter Johann Reisacher und zwei der derzeit 105 Azubis. Bild: Privat Die Hirschvogel Automotive Group Die Hirschvogel Automotive Group zählt zu den erfolgreichsten Herstellern von massivumgeformten Bauteilen aus Stahl und Aluminium. Rund 3.000 Mitarbeiter stellen in sechs Werken weltweit Umformteile und Komponenten für die Automobilindustrie und ihre Systemlieferanten her. Der konsolidierte Jahresumsatz 2007 lag bei 525 Mio. Euro bei einem Ausstoß von 210.000 Tonnen Umformteilen. Das Hauptwerk der Hirschvogel Automotive Group, die Hirschvogel Umformtechnik GmbH in Denklingen, fertigt mit über 1.700 Mitarbeitern jährlich etwa 160.000 Tonnen Schmiede- und Fließpressteile aus Stahl. In Deutschland gibt es drei Tochterwerke: in Marksuhl bei Eisenach die Hirschvogel Aluminium GmbH, die anspruchsvolle Fahrwerkskomponenten aus hochwertigen Aluminium-Werkstoffen herstellt. In Marksuhl produziert auch eine weitere Stahlschmiede, die Hirschvogel Eisenach GmbH. In Schongau verarbeitet die Hirschvogel Komponenten GmbH mit nahezu 600 Mitarbeitern die Stahl- und Aluminium-Umformteile zu einbaufertigen Komponenten. Daneben ist die Gruppe in den USA aktiv: In Columbus/Ohio fertigt die Hirschvogel Incorporated Warm- und Kaltfließpressteile sowie einbaufertige Komponenten für den amerikanischen Markt. Vor drei Jahren wurde in Pinghu in der Nähe von Shanghai die Hirschvogel Automotive Components gegründet: Hier werden neben Umformteilen Fertigteile für die chinesische Automobilindustrie hergestellt. Darüber hinaus hält die Hirschvogel Umformtechnik GmbH eine Beteiligung von 49 % an dem brasilianischen Umformtechnik-Unternehmen MAHLE HIRSCHVOGEL FORJAS S.A., um das Hirschvogel-Know-how für den südamerikanischen Markt einzusetzen. |