Denklingen/Weilheim. Zu einer Expertenrunde von Politikern, Vertretern der Agentur für Arbeit und Unternehmern hatte die Arbeitsagentur Weilheim geladen. Während sich die Teilnehmer, allen voran CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, Agentur-Regionaldirektor Rainer Bomba und IHK-Vizepräsidentin Heidrum Brugger, darin einig waren, dass die Kurzarbeit ein Segen in der derzeitigen schlechten Wirtschaftssituation sei, gibt es nach Ansicht der Unternehmer noch Nachbesserungsbedarf bei der Weiterbildung während dieser Phase und in der Informationspolitik über die Möglichkeiten hierzu. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der aus Weilheim stammt, nahm es vor allem als „gutes Zeichen“, dass sich alle, die zur Verbesserung der Wirtschaftslage beitragen können, an einem Tisch zusammengefunden hatten. „Die Politik will dafür sorgen, dass die von ihr bereitgestellten Mittel auch effektiv eingesetzt werden,“ so seine Intention. Der Leiter der Regionaldirektion Bayern der Arbeitsagentur, Rainer Bomba, zeigte sich vor allem stolz darauf, dass Bayern im Bundesvergleich der Arbeitslosenzahlen hervorragend dasteht: „Im Mai wird diese Zahl sogar noch einmal drastisch sinken.“ Dies heiße aber nicht, so Bomba, dass die Krise an Bayern spurlos vorbeigehen werde. Er erwartet ein Maximalhoch bei den Arbeitslosenzahlen für den Februar 2010: „Andererseits hätten wir jetzt schon 120.000 Arbeitslose mehr, wenn es das Instrument der Kurzarbeit nicht gäbe.“ Für die Hirschvogel Umformtechnik GmbH beteiligte sich Geschäftsführer Michael Dahme an der Diskussion. In seinem Unternehmen wurden dank besserer Auftragslage die für den April geplanten Kurzarbeitstage in einigen Abteilungen bereits wieder zurückgenommen. Doch Dahme stellte ebenso wie andere Unternehmer die Frage, wie nachhaltig diese Erholung wirklich sein könne: „Wir rechnen damit, dass die Rezession bis 2010 oder 2011 dauern wird.“ Umso wichtiger sei die Möglichkeit, Mitarbeiter während der Kurzarbeitsphase mit Unterstützung der Agentur für Arbeit zu qualifizieren. Dies sei besonders wichtig für gering Qualifizierte und angesichts der Tatsache, dass nach der Krise Fachkräfte erneut Mangelware sein werden. „Wir investieren in neue Maschinen, zu deren Bedienung ganz andere Fähigkeiten nötig sind,“ so Dahme, „wenn wir jetzt nicht qualifizieren, dann springen die schlecht ausgebildeten Mitarbeiter als erstes über die Klinge.“ An die Agentur für Arbeit und auch an die Politik appellierte Dahme zusammen mit seinen Unternehmerkollegen, die bürokratischen Hürden bei der Durchführung von Weiterbildungsmaßnahmen während der Kurzarbeit so niedrig wie möglich zu halten. Es ginge nicht an, dass man sich zur Qualifizierung einen externen Partner suchen müsse, nur weil die Ausbilder im eigenen Hause nicht Agentur-zertifiziert seien. Regionaldirektor Bomba und CSU-Generalsekretär Dobrindt konnten hier zwar keine Abhilfe versprechen. Doch zumindest was die Unterstützung von Seiten der Arbeitsagentur betreffe, zeigte man sich großzügig. „Die Agentur hilft mit zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen,“ so Bomba, „da ist mit Sicherheit für jedes Unternehmen die Passende dabei,“ so der Direktor der Agentur Weilheim, Ferdinand Pilzweger. ((Bildunterschrift)) „Die bürokratischen Hürden bei der Qualifizierung während der Kurzarbeit müssen flach gehalten werden,“ forderte Hirschvogel-Geschäftsführer Michael Dahme bei der Expertenrunde der Arbeitsagentur Weilheim. Bild: privatDie Hirschvogel Automotive Group Die Hirschvogel Automotive Group zählt zu den erfolgreichsten Herstellern von massivumgeformten Bauteilen aus Stahl und Aluminium. Nahezu 3.000 Mitarbeiter stellen weltweit Umformteile und Komponenten für die Automobilindustrie und ihre Systemlieferanten her. Der konsolidierte Jahresumsatz 2008 lag bei 503 Mio. Euro bei einem Ausstoß von 192.000 Tonnen Umformteilen. Die Hirschvogel Holding GmbH ist die Muttergesellschaft der sieben Automobilzulieferunternehmen der Hirschvogel Automotive Group. Das Stammwerk, die Hirschvogel Umformtechnik GmbH in Denklingen, fertigt mit rund 1.700 Mitarbeitern jährlich etwa 150.000 Tonnen Schmiede- und Fließpressteile aus Stahl. In Deutschland gibt es drei weitere Werke: in Marksuhl bei Eisenach die Hirschvogel Aluminium GmbH, die anspruchsvolle Fahrwerkskomponenten aus hochwertigen Aluminium-Werkstoffen herstellt. In Marksuhl produziert auch eine weitere Stahlschmiede, die Hirschvogel Eisenach GmbH. In Schongau verarbeitet die Hirschvogel Komponenten GmbH mit nahezu 600 Mitarbeitern die Stahl- und Aluminium-Umformteile zu einbaufertigen Komponenten. Daneben ist die Gruppe in den USA aktiv: In Columbus/Ohio fertigt die Hirschvogel Incorporated Warm- und Kaltfließpressteile sowie einbaufertige Komponenten für den amerikanischen Markt. Bei der Hirschvogel Automotive Components in Pinghu in der Nähe von Shanghai werden neben Umformteilen Fertigteile für die chinesische Automobilindustrie hergestellt. Darüber hinaus hält die Hirschvogel Holding GmbH eine Beteiligung von 49 % an dem brasilianischen Umformtechnik-Unternehmen MAHLE HIRSCHVOGEL FORJAS S.A., um das Hirschvogel-Know-how für den südamerikanischen Markt einzusetzen. Ende 2008 wurde ein Joint Venture in Indien mit Kalyani Thermal Systems Ltd. gegründet, an dem die Hirschvogel Holding GmbH 51 % der Anteile hält. Ab 2010 werden bei der Hirschvogel Kalyani India Pvt. Ltd. in der Nähe von Pune Kaltpressteile für den indischen Markt gefertigt. |